Ernst lässt sich nicht verordnen, aber er breitet sich trotzdem aus – in Meetings, in Nachrichten, in Kommentarspalten, in denen jeder alles persönlich nimmt. Humor ist meist das Erste, was verschwindet, wenn es „wichtig" wird. Und genau deshalb braucht er einen Schutz.
Lachen ist kein Luxus, den man sich in guten Zeiten gönnt. Es ist ein Werkzeug, mit dem Menschen Distanz zu dem gewinnen, was sie sonst erdrücken würde. Eine Gesellschaft, die keinen Humor mehr verträgt, verträgt irgendwann auch keinen Widerspruch mehr – denn beides verlangt, etwas nicht ganz für bare Münze zu nehmen.
Dieser Schutz beginnt nicht erst im Erwachsenenalter. Humor muss fest in Erziehung und Bildung verankert sein – nicht als Pausenfüller, sondern als das, was er ist: eine Fähigkeit, die man übt wie Lesen oder Rechnen. Nur wer früh lernt, über sich selbst und die Welt zu lachen, trägt diese Leichtigkeit als etwas Nützliches durchs ganze Leben – und in eine Gesellschaft, die ihn global genauso dringend braucht wie jeden einzelnen von uns.
Deshalb sind wir für die Grundrechte des Humors: nicht weil Witze wichtiger wären als ernste Themen, sondern weil ohne sie kein Raum bleibt, über ernste Themen überhaupt zu reden. Wer lacht, hat noch die Kraft, hinzusehen.
Die neun Artikel unserer Verfassung sind augenzwinkernd formuliert. Gemeint sind sie trotzdem ernst.